Sprachen lernen mit Karteikarten: So lernst du Vokabeln richtig
Andrei Kuzmin / Zuletzt aktualisiert: 25. September 2026
Um mit Karteikarten eine Sprache zu lernen, schreibst du ein Wort oder eine Wendung auf die eine Seite und die Bedeutung auf die andere. Dann fragst du dich selbst ab, statt nur nachzulesen. Karten, die du kannst, kommen seltener dran, Karten, die du nicht weißt, früher. Das ist das Leitner-System, und eine Karteikarten-App automatisiert es mit Spaced Repetition.
Karteikarten sind die einfachste und beliebteste Methode, um eine Sprache im Selbststudium zu lernen. Auf der einen Seite steht ein Wort, das man sich schwer merken kann, auf der anderen seine Bedeutung oder Übersetzung. Du gehst den Stapel durch, legst die Karten beiseite, die du schon kannst, und machst weiter, bis du alle beherrschst.
Das klingt fast zu einfach. Aber nachdem ich mir auf diese Weise rund 10.000 neue Wörter eingeprägt und sie in echten Gesprächen benutzt habe, bin ich überzeugt: Karteikarten gehören zu den wirksamsten Werkzeugen, die Sprachlernende haben, vorausgesetzt, man nutzt sie richtig. Hier ist, was ich dabei gelernt habe, damit du denselben Weg schneller und mit weniger Fehlern gehen kannst.
Warum funktionieren Karteikarten beim Sprachenlernen so gut?
Ideal für: alle, die neue Wörter ins Langzeitgedächtnis bringen wollen und nicht nur bis morgen behalten.
Karteikarten bringen dich dazu, zwei Dinge zu tun, die die Gedächtnisforschung immer wieder bestätigt.
Das erste ist aktives Abrufen. Jedes Mal, wenn du auf die Vorderseite einer Karte schaust und dich an die Rückseite zu erinnern versuchst, holst du das Wort aus dem Gedächtnis, und genau diese Anstrengung lässt es hängen bleiben. In einer bekannten Studie von 2006 zeigten die Psychologen Henry Roediger und Jeffrey Karpicke, dass Studierende, die sich selbst zu einem Text abfragten, Tage und eine Woche später mehr davon wussten als Studierende, die dieselbe Zeit mit erneutem Lesen verbrachten.
Das zweite ist verteiltes Lernen. Ein Wort mehrmals mit Pausen dazwischen zu wiederholen, funktioniert besser, als es in einer Sitzung zu pauken. In einer Karteikarten-Studie von 2009 stellte der Psychologe Nate Kornell fest, dass verteiltes Lernen bei 90 Prozent der Teilnehmenden besser abschnitt als Pauken. Trotzdem glaubten 72 Prozent von ihnen, das Pauken habe besser funktioniert. Pauken fühlt sich produktiv an, aber was wirklich bleibt, ist verteiltes Lernen. Wenn du wissen willst, wie aus dieser Idee eine ganze Methode wurde, lies unseren Leitfaden dazu, was ein Spaced-Repetition-Lernsystem ist.
Wie aus 500 Papierkarten meine eigene Karteikarten-App wurde
Zuerst habe ich mir ein Ziel gesetzt: die 500 meistgenutzten Wörter des Englischen lernen. Ich habe Häufigkeitsstatistiken aus der Forschung gesucht, die Wörter herausgeschrieben und angefangen, Papierkarten zu schreiben, die ich in Stapel aufgeteilt habe.
Als ich dieses Ziel erreicht hatte, wurde mir klar, dass man für ordentliche Englischkenntnisse mindestens 5.000 verschiedene Wörter braucht. Mehrere Tausend Papierkarten kamen natürlich nicht infrage, also beschloss ich, eine mobile App dafür zu bauen.
Bevor ich auch nur eine Zeile Code geschrieben habe, habe ich aufgelistet, was die App können musste:
- Unbegrenzt viele Karten speichern.
- Ein Archiv gelernter Wörter führen, damit du siehst, wie viel du schon geschafft hast.
- Jedes Textdokument automatisch in einen Kartenstapel verwandeln.
- Jede Karte in beliebiger Reihenfolge vorlesen, mit einstellbaren Wiederholungen, wie ein Audioplayer.
- Fertige Stapel zu verschiedenen Themen anbieten.
- Bilder auf den Karten erlauben, um visuelle Assoziationen zu schaffen.
- Ohne Internet funktionieren, sogar im Flugmodus.
- Alle deine Wörter sicher in der Cloud aufbewahren.
- Einfach zu bedienen sein.
- Tägliche Übungen bieten, die du anpassen kannst.
- Dich erinnern, wenn es Zeit zum Lernen ist.
- Dich die Reihenfolge der Wörter wählen lassen: alphabetisch, umgekehrt, zufällig oder nach Thema.
- Karten zwischen Stapeln verschieben lassen.
- Für jede Sprache funktionieren, auch für mehrere Sprachen gleichzeitig.
Ich hatte wenig Erfahrung mit Android-Entwicklung, fing aber an, an der ersten Version von Lingocard für mein eigenes Handy zu arbeiten. Ein paar Monate später war die erste App fertig: Karteikarten und ein einziger Stapel. Um anspruchsvollere Funktionen zu bauen, sprach ich mit befreundeten Entwicklern. Ihnen gefiel die Idee, und bald kamen weitere Begeisterte zum Projekt dazu. Wir haben weitergemacht und Apps für Android und iOS entwickelt, und heute gibt es Lingocard kostenlos bei Google Play und im App Store.
Innerhalb weniger Monate nutzten Zehntausende Menschen auf der ganzen Welt unsere Apps. Wir haben viele Dankesbriefe, Fehlerberichte und Verbesserungsideen bekommen und sind für jede einzelne davon dankbar.

Was sollte eine gute Karteikarten-App können?
Ideal für: die Wahl einer Karteikarten-App, bei der du auch wirklich dranbleibst.
Das meiste von meiner ursprünglichen Wunschliste ist heute genau das, was Lingocard ausmacht. Wenn du Apps vergleichst, würde ich auf diese Funktionen achten:
- Audio auf jeder Karte. Wenn du das Wort hörst, lernst du, wie es klingt, nicht nur, wie es aussieht.
- Spaced Repetition. Die App sollte entscheiden, wann jede Karte wiederkommt, damit du es nicht selbst tun musst.
- Eigene Karten und fertige Stapel. Karten selbst zu erstellen hilft beim Merken, und fertige Stapel sparen Zeit.
- Schnelles Erstellen von Karten. In Lingocard kannst du eine Karte tippen, sie laut aussprechen und von der Spracherkennung aufschreiben lassen oder mit Premium einen ganzen Textblock in einem Schritt in einen Stapel verwandeln.
- Offline lernen mit Cloud-Synchronisierung. Lern im Flugzeug, und dein Fortschritt wird synchronisiert, sobald du wieder online bist.
- Erinnerungen. In den mobilen Apps kannst du bis zu sechs Lernerinnerungen pro Tag einstellen.
Lingocard ist eine kostenlose Karteikarten-App mit all diesen Funktionen, für jede Kombination aus 67 Sprachen. Deine Karten liegen in der Cloud, sodass du jederzeit das Gerät wechseln kannst. Wenn du sie mit anderen Apps vergleichen willst, sieh dir unseren Vergleich der besten kostenlosen Karteikarten-Apps: Anki vs. Quizlet vs. Lingocard an.
Wie erstellt man gute Karteikarten für Sprachen?
Ideal für: Stapel, die sich schnell wiederholen und leicht merken lassen.
Ein paar einfache Regeln machen einen großen Unterschied:
- Eine Idee pro Karte. Ein Wort, eine Wendung oder ein kurzer Satz.
- Lerne Wendungen und Sätze, nicht nur einzelne Wörter. Sobald du anfängst zu sprechen, merkst du, dass du schnell Sätze bilden musst. Fertige Wendungen und Redewendungen lassen dich natürlich klingen, deshalb haben wir Stapel mit Sätzen, Wendungen und Redewendungen in die App aufgenommen.
- Füge ein Bild hinzu. Ein Foto oder Bild auf der Karte schafft eine visuelle Assoziation, und das hilft besonders bei konkreten Wörtern.
- Hör dir jede Karte an. Sprich das Wort laut nach, nachdem du es gehört hast, dann merkst du es dir besser.
- Nimm Texte, die du liebst. Lingocard-Karten haben keine Textbegrenzung. Du kannst also eine Karte mit dem Text deines Lieblingssongs oder einem Absatz aus deinem Lieblingsbuch anlegen und sie dir per Sprachsynthese anhören.
Am Computer erstellt der Karteikarten-Manager in der Web-App zum Sprachenlernen, enthalten in Premium, aus einer Wortliste Tausende Karten auf einmal. Weitere Wege, dir neue Wörter zu merken, findest du in unserem Leitfaden, wie du deinen Wortschatz verbessern kannst.
So nutzt du das Leitner-System mit Karteikarten
Ideal für: Papierkarten und alle, die verstehen wollen, was eine App im Hintergrund macht.
Das Leitner-System, bei uns oft einfach Lernkartei genannt, ist ein klassischer Weg, Karteikarten effizient zu nutzen. Der deutsche Wissenschaftsjournalist Sebastian Leitner hat es 1972 in seinem Buch „So lernt man lernen“ vorgestellt. Es ist eine einfache Form der Spaced Repetition, bei der Karten in immer größeren Abständen wiederholt werden.
So funktioniert es mit einem Karteikasten aus Papier. Leitners ursprünglicher Kasten hatte fünf Fächer:
- Alle neuen Karten starten im ersten Fach.
- Nimm eine Karte und versuch, dich an die Antwort zu erinnern.
- Wenn du richtig liegst, wandert die Karte ins nächste Fach.
- Wenn du falsch liegst, geht sie zurück ins erste Fach.
- Wiederhole das erste Fach am häufigsten und jedes folgende Fach seltener.
Schwierige Wörter kommen immer wieder, leichte treten zur Seite. Die Methode funktioniert für Vokabeln und für alle anderen Informationen, die du dir merken musst.
Eine Karteikarten-App übernimmt das ganze Sortieren für dich. In Lingocard bewertest du jede Karte mit Schwer, Gut oder Gelernt, und das Spaced-Repetition-System entscheidet, wann sie wiederkommt: Schwierige Wörter tauchen oft auf, und die, die du gut kennst, warten länger. Wenn du es lieber von Hand machst, kannst du Karten trotzdem zwischen deinen eigenen Stapeln verschieben, zum Beispiel in einen eigenen Stapel für deine schwierigsten Wörter.
Wie du Karteikarten wiederholst, wenn du keine Zeit zum Lernen hast
Ideal für: volle Tage, den Weg zur Arbeit und alle, die über das Ohr lernen.
Zeitmangel ist der häufigste Grund, warum Menschen mit dem Lernen aufhören. Deshalb haben wir einen Audioplayer gebaut, der deine Karten in beliebiger Reihenfolge vorliest, abwechselnd das fremdsprachige Wort und seine Übersetzung. So lernst du eine Sprache, wie du Musik hörst: auf dem Weg zur Arbeit, im Fitnessstudio oder beim Kochen.
Der Player funktioniert auch offline. Er ist der einfachste Weg, an Tagen dranzubleiben, an denen du dich nicht mit deinen Karten hinsetzen kannst.
Welche Wörter gehören auf deine ersten Karteikarten?
Ideal für: Einsteiger, die möglichst schnell vorankommen wollen.
Fang mit den häufigsten Wörtern an, so wie ich mit meinen ersten 500. Schon eine kleine Menge häufiger Wörter deckt einen großen Teil der Alltagssprache ab, also zahlt sich jede Karte, die du lernst, schnell aus. Unser Leitfaden zum Frequenzwörterbuch erklärt, wie du solche Listen nutzt.
Lingocard hat fertige Frequenzwörterbücher für jede seiner Sprachen. Wenn du zum Beispiel Englisch lernst, fang hier an: Die 100 häufigsten englischen Wörter mit Aussprache. Karteikarten gehören außerdem zur täglichen Routine, die ich allen empfehle, die online Englisch lernen wollen.
Wie Karteikarten ins echte Sprechtraining passen
Als ich diesen Artikel 2018 zum ersten Mal geschrieben habe, erwähnte ich zwei Pläne: eine Möglichkeit, Muttersprachler zum Üben zu finden, und Videoanrufe, in denen man schon während des Gesprächs Karteikarten erstellen kann. Beides gibt es heute. Im kostenlosen Sprechtraining von Lingocard kannst du mit Lernenden und Muttersprachlern sprechen, und wenn du ein Wort hörst, das du nicht kennst, speicherst du es direkt als Karteikarte. Am Abend ist es schon in deinem Stapel.
Wenn du eine Sprache unterrichtest, funktionieren dieselben Karteikarten für deine ganze Klasse: Du kannst mit Lingocard unterrichten und deinen Schülerinnen und Schülern Stapel schicken, die sie mit Spaced Repetition und Audio wiederholen.
Unser Gehirn versteht nicht, warum es sich so viele neue Wörter merken soll, und versucht ständig, Informationen loszuwerden, die es für unnötig hält. Also müssen wir es überzeugen, eine Wiederholung nach der anderen. Stell dir vor: Um sich tausend neue Wörter zu merken, knüpft dein Gehirn eine riesige Zahl neuer Verbindungen. Deshalb vergleiche ich Karteikarten gern mit einem Webstuhl, der neue Verbindungen in deinem Kopf webt. Du musst nur das richtige Material wählen und dranbleiben.
Lingocard hat als kleine App für meine eigenen Karteikarten angefangen. Heute ist es eine Sprachlernplattform mit Karteikarten, Audio, Frequenzwörterbüchern, Spaced Repetition und Sprechtraining. Installiere die Karteikarten-App für dein Handy, erstelle deinen ersten Stapel und schau, wie viele Wörter du diesen Monat lernen kannst.
Häufig gestellte Fragen
Schreib auf jede Karte ein Wort, eine Wendung oder einen kurzen Satz und auf die Rückseite die Bedeutung. Frag dich selbst ab, bevor du die Karte umdrehst, und wiederhole die Karten, die du nicht weißt, öfter als die, die du schon kannst. Füge wenn möglich Audio und ein Bild hinzu und lerne jeden Tag ein paar Minuten, statt zu pauken.
Ja. Sie verbinden zwei der am besten belegten Techniken der Gedächtnisforschung: aktives Abrufen (die Antwort aus dem Gedächtnis holen, statt nachzulesen) und verteiltes Lernen (mit Pausen dazwischen wiederholen). In einer Studie von 2009 schnitt verteiltes Lernen bei 90 Prozent der Teilnehmenden besser ab als Pauken.
Es ist eine Methode, mit Karteikarten zu lernen, die der deutsche Wissenschaftsjournalist Sebastian Leitner 1972 in seinem Buch vorgestellt hat. Richtig beantwortete Karten wandern ins nächste Fach, falsch beantwortete zurück ins erste, und jedes spätere Fach wird seltener wiederholt. So kommen schwierige Wörter am häufigsten dran.
Papierkarten reichen für ein paar Hundert Wörter. Darüber hinaus ist eine App einfacher: Sie plant die Wiederholungen mit Spaced Repetition, liest jede Karte vor, fügt Bilder hinzu, funktioniert offline und hält Tausende Karten auf allen Geräten synchron.
Fang mit den 500 häufigsten Wörtern deiner Sprache an. Meiner Erfahrung nach braucht man für ordentliche Englischkenntnisse mindestens 5.000 Wörter. Setz dir also ein Tagesziel, das du durchhältst, und überlass die Wiederholungen der Spaced Repetition.
