Spaced-Repetition-Plan: So nutzt du Spaced Repetition zum Sprachenlernen
Andrei Kuzmin / Zuletzt aktualisiert: 25. September 2026
Ein Spaced-Repetition-Plan wiederholt jedes Wort in wachsenden Abständen: kurz nachdem du es gelernt hast, dann nach einem Tag, nach ein paar Tagen, nach einigen Wochen und nach einigen Monaten. Jede richtige Antwort schiebt die nächste Wiederholung weiter hinaus, jeder Fehler holt das Wort früher zurück. Eine Spaced-Repetition-App berechnet diese Abstände für dich, Karte für Karte.
Meiner Meinung nach ist Spaced Repetition die wirksamste Methode, um Vokabeln in einer neuen Sprache zu lernen. Dabei wiederholst du den Lernstoff nach einem Algorithmus, in festen oder wechselnden Abständen. Die Idee funktioniert mit jeder Art von Wissen, am häufigsten wird sie aber beim Lernen von Fremdsprachen eingesetzt. Sie ersetzt weder das Verstehen noch Merkhilfen, sie sorgt einfach dafür, dass du jedes Wort im richtigen Moment wiedersiehst.
In diesem Leitfaden geht es um die Praxis: welche Intervalle du nutzen solltest, wie die bekanntesten Systeme Wiederholungen planen und wie du eine tägliche Routine aufbaust, die wirklich hält.
Was ist Spaced Repetition?
Spaced Repetition (verteilte Wiederholung) heißt, dass du Informationen in wachsenden Abständen wiederholst statt alles auf einmal. Meist geschieht das mit Karteikarten: Neue und schwierige Karten kommen oft zurück, ältere und leichte immer seltener. So nutzt du den Spacing-Effekt. Der deutsche Psychologe Hermann Ebbinghaus hat diesen Effekt 1885 als Erster beschrieben, und Spaced Repetition gehört heute zu den am besten erforschten Lernmethoden.
Zum Sprachenlernen passt sie besonders gut, denn du musst Tausende Wörter lernen und sie jahrelang behalten. Wenn du genauer wissen willst, wie so ein System funktioniert, lies unseren Leitfaden: Was ist ein Spaced-Repetition-Lernsystem?
Warum funktionieren wachsende Abstände so gut?
Jedes Mal, wenn du vor einer Wiederholung etwas länger wartest, fällt dir das Wort ein bisschen schwerer ein. Genau diese Anstrengung hilft: Wenn du ein halb vergessenes Wort aus dem Gedächtnis holst, wird die Erinnerung stärker und wandert tiefer ins Langzeitgedächtnis.
Der richtige Abstand hängt auch davon ab, wie lange du dir etwas merken willst. In einer großen Studie von 2008 brachten Nicholas Cepeda und seine Kollegen mehr als 1.350 Menschen eine Reihe von Fakten bei und testeten sie bis zu ein Jahr später. Lag der Test eine Woche entfernt, betrug der beste Abstand zwischen den Lerneinheiten etwa 20-40 % der Zeit bis zum Test. Lag er ein Jahr entfernt, waren es nur etwa 5-10 % dieser Zeit. Für Vokabeln, die du jahrelang behalten willst, heißt das: Die Abstände sollten immer weiter wachsen, von Tagen über Wochen zu Monaten.
Welche Intervalle solltest du bei Spaced Repetition nutzen?
Ideal für: alle, die die Zahlen hinter einem Spaced-Repetition-Plan verstehen wollen.
Den einen perfekten Plan gibt es nicht, aber zwei klassische Systeme zeigen, wie gute Intervalle aussehen.
1967 veröffentlichte der Linguist Paul Pimsleur einen Wiederholungsplan namens „Graduated Interval Recall“ (abgestuftes Abrufen in wachsenden Intervallen), gedacht für Audio-Sprachkurse. Seine Intervalle waren: 5 Sekunden, 25 Sekunden, 2 Minuten, 10 Minuten, 1 Stunde, 5 Stunden, 1 Tag, 5 Tage, 25 Tage, 4 Monate und 2 Jahre. Jeder Abstand ist ungefähr fünfmal so lang wie der vorherige.
1987 entwickelte Piotr Woźniak den Algorithmus SM-2 für sein Programm SuperMemo. SM-2 zeigt eine neue Karte nach 1 Tag wieder, dann nach 6 Tagen, und multipliziert danach jedes Intervall mit einem „Leichtigkeitsfaktor“ (easiness factor), der bei 2,5 beginnt und sich mit deinen Antworten ändert. Bleibt der Faktor bei 2,5, ergeben sich Wiederholungen nach 1, 6, 15 und 38 Tagen. Abgewandelte Versionen von SM-2 stecken bis heute in beliebten Apps wie Anki.
Beide Systeme folgen demselben Prinzip: Je besser du ein Wort kennst, desto länger darf es warten. Deshalb solltest du Wiederholungen für Tausende Wörter auch nicht von Hand planen. Überlass das Rechnen einer App.
Wie plant die Leitner-Kartei deine Karten?
Die Leitner-Kartei ist die Papierversion von Spaced Repetition. Die Karteikarten werden in Fächer sortiert, je nachdem, wie gut du sie kannst. Weißt du eine Karte, wandert sie ins nächste Fach; weißt du sie nicht, geht sie zurück ins erste Fach. Jedes weitere Fach wiederholst du seltener, also kommen schwierige Wörter immer wieder, während leichte in den Hintergrund treten.

In der ursprünglichen Methode hing der Plan von der Größe der Fächer ab: Du hast ein Fach erst wiederholt, wenn es voll war, und die Karten je nach Antwort vor- oder zurückgeschoben. Mit Papier klappt das gut, aber ab ein paar Hundert Karten wird es mühsam. Wie die Methode Schritt für Schritt funktioniert, erkläre ich in unserem Leitfaden zu Karteikarten zum Sprachenlernen.
Wie plant Lingocard deine Wiederholungen?
Das Spaced-Repetition-Lernsystem von Lingocard ersetzt all das durch drei Schaltflächen. Nachdem du versucht hast, dich an eine Karte zu erinnern, tippst du auf Schwer, Gut oder Gelernt:
- Schwer holt die Karte bald zurück.
- Gut schickt sie weiter nach hinten.
- Gelernt nimmt sie aus dem Stapel, bis du gelernte Karten wieder wiederholen willst.

Anders als die meisten Apps misst Lingocard den Abstand in Karten statt in Kalendertagen. Wenn du ein paar Tage aussetzt, wartet also kein Berg überfälliger Karten auf dich: Deine Stelle bleibt einfach erhalten, und die richtigen Karten kommen in der richtigen Reihenfolge zurück, sobald du weitermachst.
Du kannst das System an dein eigenes Tempo anpassen: festlegen, wie viele Übungen du pro Tag machen willst, Lernerinnerungen zu deinen Wunschzeiten bekommen, dir jede Karte vorlesen lassen und mit Premium eigene Wortlisten in Stapel verwandeln. Dein Fortschritt wird mit der Cloud synchronisiert, sodass du zwischen Geräten wechseln kannst. In der mobilen App von Lingocard wird alles, was du lernst, auch auf deinem Handy gespeichert. So kannst du ohne Internetverbindung weiterlernen, sogar im Flugzeug.
So baust du eine tägliche Spaced-Repetition-Routine auf
Ideal für: alle, die aus Spaced Repetition eine Gewohnheit machen wollen, die bleibt.
- Erst wiederholen, dann neu lernen. Beginne jede Einheit mit den fälligen Karten. Neue Wörter können warten, die, die du gleich vergisst, nicht.
- Neue Wörter in kleinen Portionen. Ein paar neue Wörter jeden Tag bringen mehr als hundert einmal pro Woche. Fang mit den häufigsten Wörtern an, zum Beispiel: Die 100 häufigsten englischen Wörter mit Aussprache, und lies in unserem Beitrag über das Frequenzwörterbuch, warum das sinnvoll ist.
- Bewerte dich ehrlich. Wenn du gezögert hast, tipp auf Schwer. Nur ehrliche Bewertungen sorgen dafür, dass der Plan für dich funktioniert.
- Lerne Wörter in Wendungen. Ein Wort in einem kurzen Satz fällt dir leichter ein und lässt sich im Gespräch besser verwenden.
- Nutze die Lücken in deinem Tag. Wiederhole auf dem Handy in Bus oder Bahn oder am Computer in der Web-App zum Sprachenlernen, und dein Plan bleibt überall derselbe.
- Lerne jeden Tag zur selben Zeit. Stell dir eine Erinnerung und lass dich von der Routine tragen, auch an Tagen mit wenig Motivation.
Was sind die häufigsten Fehler bei Spaced Repetition?
- Zu viele neue Wörter auf einmal. Wer viele Karten auf einmal hinzufügt, bekommt ein paar Tage später eine Welle von Wiederholungen, und genau dann geben viele auf.
- Zu milde Bewertungen. Wenn du auf Gut tippst, obwohl du dich schwergetan hast, rückt das Wort zu weit weg, und du vergisst es, bevor es zurückkommt.
- Aufhören nach einer Pause. Ein paar Tage auszusetzen ist normal. Mit kartenbasierter Planung machst du einfach dort weiter, wo du aufgehört hast.
- Nur einzelne Wörter lernen. Misch einzelne Wörter mit Wendungen und ganzen Sätzen, damit du sie auch beim Sprechen nutzen kannst.
Spaced Repetition ist der Motor, aber was du hineingibst, entscheidest du. Wähl Wörter, die dir wichtig sind, wiederhole jeden Tag ein bisschen und lass den Plan den Rest erledigen. Du kannst sofort mit unserer kostenlosen Karteikarten-App loslegen.
Wenn du unterrichtest, funktioniert derselbe Plan für eine ganze Klasse: Du kannst mit Lingocard Sprachen unterrichten und deinen Schülerinnen und Schülern Stapel schicken, die genau dann zur Wiederholung auftauchen, bevor sie sie vergessen würden. Und ob du lernst oder lehrst: Die Sprachlernplattform Lingocard kannst du in jedem Land kostenlos nutzen.
Häufig gestellte Fragen
Wiederhole ein neues Wort kurz nachdem du es gelernt hast, dann nach etwa einem Tag, nach ein paar Tagen, Wochen und Monaten. Schieb jede Wiederholung weiter hinaus, wenn du das Wort weißt, und hol es früher zurück, wenn du es vergessen hast. Der SM-2-Algorithmus zum Beispiel nutzt 1 Tag, dann 6 Tage und multipliziert danach jedes Intervall mit etwa 2,5.
1967 schlug Paul Pimsleur diese Abstände vor: 5 Sekunden, 25 Sekunden, 2 Minuten, 10 Minuten, 1 Stunde, 5 Stunden, 1 Tag, 5 Tage, 25 Tage, 4 Monate und 2 Jahre. Jeder Abstand ist ungefähr fünfmal so lang wie der vorherige.
Schreib Wörter und kurze Wendungen auf Karteikarten, wiederhole zuerst die fälligen Karten und erst dann neue, bewerte jede Antwort ehrlich und nimm jeden Tag ein paar neue Wörter dazu. Eine App wie Lingocard plant jede Karte für dich.
In den meisten Apps stapeln sich dann die überfälligen Karten. Lingocard misst die Abstände in Karten statt in Kalendertagen. Nach einer Pause bleibt deine Stelle erhalten, und die richtigen Karten kommen in der richtigen Reihenfolge zurück.
Das hängt davon ab, wie lange du dir etwas merken willst. Eine Studie von Cepeda und Kollegen aus dem Jahr 2008 fand: Bei einem Test in einer Woche lag der beste Abstand bei etwa 20-40 % der Behaltenszeit, bei einem Test in einem Jahr nur bei 5-10 %.
